Kanzelworte – Adventsandachten
Hier finden Sie die Texte der Adventsandachten, die in der letzten Zeit von Pfarrer Manfred Trümer gehalten wurden.
- 4. Adventsandacht am 21.12.2011
- 3. Adventsandacht am 14.12.2011
- 2. Adventsandacht am 7.12.2011
- 1. Adventsandacht am 30.11.2011
Adventsandacht am 14.12.2011, 18 Uhr im Kaiserdom
„Er ist auf Erden kommen arm“ und doch:
„Großer Herr, o starker König“
Choral und Arie aus dem 1. Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach
Nach dem Choral „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn' ich dir“, den Johann Sebastian Bach von Paul Gerhardt mit der damals in den Leipziger Gesangbüchern geläufigen Melodie von Hans Leo Hassler übernommen hat, folgt ein Rezitativ, in dem Bach von Jesu Geburt berichtet. „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“ Der Text stammt von dem dritten Evangelisten Lukas aus dem Evangelium für die Christvesper am Heiligen Abend. Indem Bach beim Wort „Krippe“ in die Tonart d-Moll ausweicht und nicht das erwartete D-Dur verwendet, wird die tiefe Erniedrigung in der Menschwerdung Christi zum Ausdruck gebracht.
Die Rezitative bilden gewissermaßen das Rückgrat des Weihnachts-Oratoriums. In ihnen erzählt der Evangelist – nach altkirchlicher Tradition von einem Tenor gesungen – den biblischen Text. Bach vertont die berichtenden Bibeltexte mithilfe von sogenannten Secco-Rezitativen, die also nur von der Continuo-Gruppe ohne weitere Instrumentalbegleitung getragen werden. Alle biblischen Rezitative sind Neukompositionen des Thomas-Kantors.
Im Anschluss daran folgt ein weiteres Rezitativ, das Bach mit einem Choral in einem Sopran-Bass-Duett kombiniert.
Der Text des Chorals stammt von Luther, der ihn 1524 verfasst hat (EG 23,6) und lautet:
Er ist auf Erden kommen arm,
dass er sich unser erbarm.
Und in dem Himmel mache reich,
und seinen lieben Engeln gleich. Kyrieleis.
Das von einer Sopran- und einer Bassstimme gesungene Duett lautet so:
Wer will die Liebe recht erhöhn,
die unser Heiland vor uns hegt?
Ja, wer vermag es einzusehen,
wie ihn der Menschen Leid bewegt?
Des Höchsten Sohn kommt in die Welt,
weil ihm ihr Heil so wohl gefällt.
So will er selbst als Mensch geboren werden.
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium Teil II, Nr. 6+7
Rezitativ mit dem Text aus dem Lukas-Evangelium und Choral „Er ist auf Erden kommen arm“, den Bach mit dem Sopran-Bass-Duett kombiniert hat
Der bayerische Heimatdichter Ludwig Thoma hat das gut 150 Jahre nach dem Tod des Thomaskantors mit diesen Versen ausgedrückt:
So ward der Herr Jesus geboren
Im Stall bei der kalten Nacht,
Die Armen, die haben gefroren,
Den Reichen war's warm gemacht.
Kein Wirt hat ins Haus sie genommen;
Sie waren von Herzen froh,
Dass sie noch in Stall sind gekommen.
Sie legten das Kind auf Stroh.
Die Hirten, die will es erbarmen,
Wie elend das Kindlein sei.
Es ist eine G'schicht' für die Armen,
Kein Reicher war nicht dabei.
In einem Stall, in bitterer Armut kommt Gottes Sohn zur Welt. Die Heiligen Drei Könige suchen den neugeborenen König vergeblich in der Welt der Reichen. Aber nicht im Königspalast in Jerusalem, sondern in einer Krippe in Bethlehem erblickt der Heiland das Licht der Welt – mitten im Dunkel der Nacht, im Dunkel von Elend und Not, in der Finsternis einer friedlosen, ungerechten Welt, an der Gott kein Wohlgefallen haben kann.
Krippe – Esel – Kreuz – so begegnet uns Gott. In einem kleinen Kind armer Leute – unscheinbar, alltäglich und banal. Auf einem Esel, dem Tier armer Leute, reitet der Messias in Jerusalem ein. Am Kreuz, an das man sonst nur Verbrecher hängt, haucht er sein junges Leben aus. In die Armut unserer Welt ist er hineingekommen, war sich nicht zu schade, selbst die Gestalt der Armut anzunehmen. So tief hat er sich zu uns herabgebeugt.
In die Armut unseres Lebens wurde er hineingeboren – in die Armut unseres Herzens, in dem so wenig Liebe und Frieden zu Hause sind, dafür aber so viel Trostlosigkeit und innere Leere. Auch das ist ihm nicht fremd geblieben. Auch diese Armut nicht.
Er ist auf Erden kommen arm. Und warum? Dass er sich unser erbarm. Oder wie Luther es in seinem Weihnachtschoral ausdrückt:
„Es ist der Herr Christ, unser Gott, der will euch führn aus aller Not, er will eu'r Heiland selber sein, von allen Sünden machen rein.“ (EG 24,3)
Um uns zu erlösen aus aller äußeren und inneren Not ist er unter uns erschienen und hat menschliche Gestalt angenommen, um uns zu helfen, wieder menschlich denken und handeln zu können. Denn wir Menschen „haben gelernt, zu schwimmen wie die Fische und zu fliegen wie die Vögel, aber wir haben die einfache Kunst verlernt, als Menschen zu leben“. So hat es Albert Schweitzer einmal formuliert.
Er ist auf Erden kommen arm, dass er sich unser erbarm, und in dem Himmel mache reich, und seinen lieben Engeln gleich.
Oder um es wieder mit den Worten Luthers wiederzugeben:
„Er bringt euch alle Seligkeit, die Gott der Vater hat bereit, dass ihr mit uns im Himmelreich sollt leben nun und ewiglich.“ (EG 24,3)
Ja, durch diese Geburt im Stall zu Bethlehem öffnet sich der Himmel über uns und berühren sich Himmel und Erde, Göttliches und Menschliches. Denn: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
So beschreibt der vierte Evangelist Johannes das unglaubliche Geschehen der Heiligen Nacht, die Heilsgeschichte, die in bitterster Armut beginnt, zwischen Heu und Stroh, bei Ochs und Esel.
Das Weihnachtsgeschehen, das der Choral besingt, wird nun in dem Sopran-Bass-Duett, das Bach hier einschiebt, gedeutet. D. h. es ist eigentlich weniger eine theologische Auslegung, sondern ein staunendes Bekenntnis des Glaubenden.
Wie kann man diese Liebe recht verstehen, die er für uns hegt? Wer kann das begreifen, dass des Menschen Leid ihn so sehr bewegt, dass er seinen himmlischen Platz mit dem Ort von Armut und Elend vertauscht? Das kann man wohl nur dann verstehen und begreifen, wenn man weiß, worauf Gott aus ist, worum es ihm geht: Um das Heil dieser Welt und seiner Menschenkinder. Um uns zu heilen von allem, was uns krank macht, um uns zu befreien von allem, was uns knechtet und versklavt, um unsere Wunden zu verbinden und unsere Seele gesund zu machen, um uns zu lösen von allem, was uns bindet und von ihm trennt.
„Des Höchsten Sohn kommt in die Welt, weil ihm ihr Heil so wohl gefällt. So will er selbst als Mensch geboren werden.“
Er ist auf Erden kommen arm, seine Herrlichkeit ist verborgen in Heu und Stroh. Und doch ist er unser Herr und König. So preist die folgende Bass-Arie „Großer Herr, o starker König“ hymnisch die Majestät Gottes. Darauf weisen die Tonart D-Dur, die gebrochenen Dreiklänge in der Trompete und die zahlreichen Oktavsprünge im Continuo, die die Totalität Gottes illustrieren. Bei dem Wort „muss in harten Krippen schlafen“ verstummt die Trompete und versinnbildlichen die Synkopen, wie unpassend die Erniedrigung für den ewigen Gottessohn ist.
Hören wir nun die Bass-Arie „Großer Herr, o starker König“. Die Melodie hat Bach wie beim Eingangschoral „Jauchzet, frohlocket“ der Huldigungskantate entnommen, die er für die Inthronisation eines sächsischen Herrschers geschrieben hat. Der ursprüngliche Text beginnt mit den Worten „Kron und Preis gekrönter Damen“. Übertragen wird diese Huldigung hier also auf den himmlischen König.
Der Text der folgenden Bass-Arie, die wir gleich hören werden, lautet:
Großer Herr, o starker König,
Liebster Heiland, o wie wenig
Achtest du der Erden Pracht!
Der die ganze Welt erhält,
Ihre Pracht und Zier erschaffen.
Muss in harten Krippen schlafen.
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium Teil I, Nr. 8 Bass-Arie
„Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!“ Unglaublich – der große Herr und starke König – „er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.“ (EG 27,5)
In vielen Weihnachtsliedern wird das Paradox beschrieben, vor dem der Glaubende immer wieder staunend stehen bleibt und was mit unserer Vernunft nicht zu erfassen und zu begreifen ist: Der Herr und Schöpfer dieser Welt „muss in harten Krippen schlafen“. „So merket nun das Zeichen recht: die Krippe, Windelein so schlecht, da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt“, dichtet Luther in seinem bekannten Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.
Ein großer Herr, der sich seiner Größe entäußert. Ein starker König, der sich selbst schwach macht. Ein Mächtiger, der nicht an der Macht klammert, so wie wir es sonst von den Mächtigen kennen. Einer, der freiwillig auf Macht verzichtet, der Erden Pracht nicht achtet. Einer, der sich hinab begibt in die Niederungen von Machtlosigkeit und Ohnmacht.
Die Mächtigen dieser Welt wollen um jeden Preis ihre Macht behalten und streben nach immer mehr Macht, Einfluss, Größe und Reichtum. Anders der allmächtige Gott, der sich selbst so winzig macht, dass er in eine Krippe passt.
Ist das nicht wahre Größe und echte Stärke, Macht und Größe abzugeben? Wer wirklich groß und stark ist, der kann sich auch schwach und verletzlich zeigen. Der muss sein Selbstwertgefühl nicht davon abhängig machen, dass andere ihn bewundern und „vergöttern“. Der muss nicht klammern und festhalten, der kann loslassen, abgeben und dennoch der bleiben, der er ist. Wirklich reich ist der, der keinen äußeren Reichtum braucht und selbst in Niedrigkeit und Armut reich sein kann. Wirklich glücklich ist, der sein Glück in sich selbst findet und nicht in äußeren Dingen. Weihnachten entscheidet sich eben nicht unter dem Tannenbaum bei den Geschenken, sondern dran, ob es in uns Weihnachten wird, ob in uns der Christus geboren wird, ob unser Herz zur Krippe wird, in der er immer wieder neu zur Welt kommen kann. Die wahre Größe liegt in unserer Menschlichkeit. Das lehrt uns der große, allmächtige Gott, der Schöpfer dieser Welt, der alle Insignien der Macht ablegt und als Mensch zur Welt kommt, als Mensch unter Menschen lebt und am Ende stirbt wie ein Mensch – uns zum Heil und zur ewigen Seligkeit. Amen.
Gebet
Großer Gott, du bist zu uns gekommen, bist aus den Höhen hinabgestiegen in unsere armselige, gottlose Welt. Du bist Mensch geworden, damit wir nicht gottlos und verlassen leben müssen.
Komm auch in uns selbst zur Welt, erleuchte alle Dunkelheit, die uns ist und uns umgibt, mit deinem hellen Licht. Kehre mit deinem Frieden in uns ein, damit es wirklich Weihnachten wird -. nicht nur äußerlich in den hell erleuchteten Einkaufsstraßen und nicht nur in unseren festlich geschmückten Häusern und Wohnungen, sondern auch in unseren Herzen. Darum sei dies unsere Bitte:
„Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen, dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.
Vater unser im Himmel ...
Segen
Der Herr segne dich und lasse es Weihnachten werden in dir und um dich herum.
Er ziehe mit seinem Frieden bei dir ein, damit du in Frieden leben kannst – im Frieden mit dir, deinen Mitmenschen und mit Gott.
Möge der Christus auch in dir geboren werden und dich beschenken mit seiner Liebe, damit du sie weiter schenken kannst an die, die Gott dir ans Herz legt.
So segne dich der gütige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium, Teil I, Nr. 9
Schlusschoral: „Ach mein herzliches Jesulein. Mach dir ein rein sanft Bettelein, zu ruhn in meines Herzens Schrein, dass ich nimmer vergesse dein.“
Pastor Manfred Trümer, Vor dem Kaiserdom 1, 38154 Königslutter
Adventsandacht am 14.12.2011, 18 Uhr im Kaiserdom
„Wie soll ich dich empfangen?“
Paul Gerhardt und Johann Sebastian Bach
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier? O Jesu, Jesu setze, mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei.“
Paul Gerhardt hat dieses schöne Adventslied geschrieben. Eines von 27 Liedern unseres Gesangbuches, die auf ihn zurückgehen. Paul Gerhardt, geb. 1607 in Gräfenhainichen, Propst und Pfarrer in Mittelwalde, Berlin und Lübben im Spreewald, wo er 1676 gestorben und in der später nach ihm benannten Paul-Gerhardt-Kirche begraben wurde, hat dieses Lied gedichtet. Die Melodie, die wir eben gehört haben, stammt von Johann Crüger, der viele Paul-Gerhardt-Lieder vertont hat. Johann Crüger, geb. 1598 in Groß-Breesen bei Guben, 1662 in Berlin verstorben, war Kantor an St. Nicolai in Berlin, derselben Kirche, an der auch Paul Gerhardt zeitweise als Pfarrer amtiert hat. Johann Crüger hat nicht nur mit Paul Gerhardt so manchen Gottesdienst zusammen gestaltet, sondern war auch mit ihm befreundet.
Das Lied hat in unserem Gesangbuch zehn Strophen. Gewissermaßen ein Markenzeichen von Paul Gerhardt, dessen kürzestes Lied im Gesangbuch immerhin neun Strophen umfasst, das längste achtzehn. Übrigens hat Paul Gerhardt insgesamt 130 Liedtexte verfasst, von denen uns die meisten aber nicht bekannt sind, weil sie keine Aufnahme in unsere Gesangbücher gefunden haben.
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), erst nach dem Tod von Paul Gerhardt geboren, hat in seinem Weihnachtsoratorium insgesamt fünfzehn Choräle verwendet, darunter fünf von Paul Gerhardt.
Das Adventslied „Wie soll ich dich empfangen?“ ist der Choral, den er übernimmt. Es folgt im ersten, am 1. Weihnachtstag aufgeführten Teil des Weihnachtsoratoriums auf den Eingangschor „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“, zwei Rezitative und die Alt-Arie „Bereite dich Zion mit zärtlichen Trieben“. Nach der Aufforderung, sich auf das Kommen des Bräutigams „mit zärtlichen Trieben“ vorzubereiten, um „den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn“ kommt die Frage des Glaubenden „Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir?“
Also: Wie bereite ich mich auf das Kommen des Bräutigams vor?
Bei diesem Choral erklingt aber nicht die Melodie von Johann Crüger, sondern die von Hans Leo Hassler (geb. 1564 in Nürnberg, Organist in Augsburg, Prag, Nürnberg, Ulm und Dresen, gestorben 1612 in Frankfurt/Main).
Hören wir nun das Adventslied, wie es Johann Sebastian Bach in seinem Weihnachtsoratorium verwendet hat.
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium 1. Teil, Nr. 4
Die Melodie wird uns bekannt vorkommen. Es ist die Melodie des Passionsliedes „O Haupt voll Blut und Wunden“.
Man hat früher angenommen, Bach verfolge damit ein theologisches Anliegen und deute hier bereits an, dass mit der Menschwerdung des Heilands bereits das Leiden beginne und bei der Krippe bereits an das Kreuz erinnert werde, dass „Krippe und Kreuz also aus demselben Holz geschnitzt sind“, wie es ein Theologe einmal formuliert hat. Eine bestechende und theologisch durchaus nachzuvollziehende Sicht. Schon bei seiner Geburt in einer ärmlichen Umgebung – in einem Stall bei Ochs und Esel – deutet sich an, dass Gott in seinem Sohn den Weg nach unten geht. Dass der allmächtige Gott sich ganz klein macht, sodass er in eine Krippe passt, und dass er sich später in seinem Sohn ans Kreuz schlagen lässt, um Heil und Erlösung zu bringen. Der Passionsweg beginnt bereits mit seiner Geburt, und Karfreitag wirft bereits seinen dunklen Schatten auf Weihnachten. Und vielleicht hören viele es auch so, wenn die Melodie dieses Advents-Chorals sie an das wohl bekannteste, auch von Paul Gerhardt geschriebene Passionslied „O Haupt voll Blut und Wunden“ erinnert.
Allerdings hat die neuere Bachforschung nachgewiesen, dass die Melodie von Hans Leo Hassler, die hier erklingt, damals die übliche Melodie in den Leipziger und Dresdner Gesangbüchern war. So könnte Bach, der in Leipzig Thomas-Kantor war, sie einfach aus diesem Grunde übernommen haben, was naheliegende wäre.
Wenn man die religiöse Sprache Paul Gerhardts mit der von Bach vergleicht – zum Beispiel die dem Choral vorangehende Arie „Bereite dich, Zion mit zärtlichen Trieben“, so ergeben sich da viele Berührungspunkte. So wie die Alt-Arie ist auch das Adventslied Paul Gerhardts ein sehnsüchtiges Liebeslied für den, der da kommen soll. Das Liebeslied eines Menschen, der gerade jetzt in der Zeit des Advents Trost und Hoffnung sucht.
Das Lied beginnt mit der Frage eines Menschen, der Christus liebt. „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier“ Kann das jemand singen, der Jesus nicht liebt? Kann man die Worte des Liedes ohne emotionale Beteiligung in den Mund nehmen, ohne Beziehung zu dem, der da angesprochen wird? Das ist kaum vorstellbar. Aber es ist andererseits auch kaum möglich, innige Liebe zu Christus zu einer Bedingung zu machen, die erfüllen soll, wer dieses Lied singt.
Sehr oft geben uns Kirchenlieder mehr zu singen auf, als wir jetzt glauben. Wenn wir in dieses Lied einstimmen und auf das, was wir singen, hören, kann es geschehen, dass wir uns unversehens in einer Rolle vorfinden, die vielleicht neu und ungewohnt ist, die wir aber durchaus spielen können: die Rolle eines Liebhabers oder einer Liebhaberin.
Das Lied trägt uns diese Rolle an. Und erst, indem wir singend ausprobieren, wie sie uns steht, wie es uns in ihr geht, können wir in Erfahrung bringen, dass das etwas Wunderschönes ist, sich als Liebhaber oder Liebhaberin Jesu zu gebärden. Dann ergibt sich auch die Bitte, mit der die erste Liedstrophe fortfährt, ganz ungezwungen aus dieser Rolle: „O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei, damit, was dich ergötze, mir kund und wissend sei“. Wenn ich Jesus liebe, mich als Liebender gebärde, dann legt es sich nahe, den Geliebten zu bitten, dass er mir selbst mitteilt, was ihn erfreut. Das Bild der „Fackel“ ist eine Anspielung auf das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt. 25).
Der Dichter trägt mir also ein Brautverhältnis zu Christus an, ein Bild, das auch Bach in seinem Weihnachtsoratorium verwendet „Nun wird mein liebster Bräutigam, nun wird der Held aus Davids Stamm zum Trost, zum Heil der Erden einmal geboren werden.“ Und auch in der Alt-Arie „Bereite dich, Zion“ nimmt Bach in der letzten Zeile diese Metapher auf: „Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben“.
Beide – Paul Gerhardt und Bach – tragen mir also ein Brautverhältnis zu Christus an. Nun brauche ich nur noch in die Rolle der liebenden Braut zu schlüpfen, die es nicht erwarten kann, dass ihr Bräutigam endlich zu ihr kommt.
Das ist die Jesusliebe, die Paul Gerhardt und Johann Sebastian Bach im Sinn haben: hoch emotional und herzbewegend, sinnlich und leidenschaftlich. Nichts anderes hat Martin Luther gemeint, als er erklärte, der Glaube vereine die Seele mit Christus wie die Braut mit dem Bräutigam.
Wodurch Jesus solche Liebe erweckt und für sich gewonnen hat, wird erst in der fünften Liedstrophe deutlich, die bei Bach nicht vorkommt, die wir aber in unseren Gesangbüchern finden. Da heißt es: „Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast.“
In der liebenden Umarmung Jesu ist die ganz Welt mit all ihren Leiden aufgehoben. Ich bin von ihm umfangen. In unbegreiflicher Güte, in überströmendem Erbarmen nimmt er sich meiner an und tritt an meine Stelle. Alle Menschen „umfängt“ er auf diese Weise, jeden Einzelnen zieht er liebend zu sich. Das soll sich auch die in der 6. Strophe angeredete „hoch betrübte“ Gemeinde sagen lassen. Wer im Advent für Jesus singt, lässt sich seine Umarmung gefallen und er erwidert sie. Paul Gerhardt kann nicht anders, als ihn gleichsam mit seinem Lied zu umarmen.
Was Paul Gerhardt mit seiner 5. Strophe zum Ausdruck bringt „Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt als das geliebte Lieben“, nichts anderes beschreibt Johann Sebastian Bach mit seinem Weihnachtsoratorium, folgt doch gleich im Rezitativ die Mitteilung von der Geburt Jesu, so wie Lukas sie in seinem Evangelium aufgeschrieben hat: „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.“
Ja, es ist Gottes unbeschreibliche große Liebe, die ihn zu uns auf die Erde herabsteigen lässt.
Wenn wir uns dieses Lied zu eigen machen, so verwickelt uns Paul Gerhardt in den ersten fünf Strophen in ein liebevolles Gespräch mit Jesus. Ich, der Gläubige, rede mit ihm, erkläre ihm gewissermaßen meine Liebe und Zuneigung, meine Dankbarkeit für das, was er für mich getan hat: „Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud, als Leib und Seele saßen in ihrem größten Leid. Als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, da bist du, mein Heil, kommen und hast mich froh gemacht. Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los, ich stand in Spott und Schanden, du kommst und machst mich groß ...“. In der zweiten Hälfte, ab Strophe 6 wechselt das „Du“ in das „Ihr“. Von jetzt an wird der Gemeinde Trost zugesungen: „Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür, der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.“
Ein Trost- und Hoffnungslied ist dieses Adventslied. Paul Gerhardt liegt viel daran, alle Sorge und Angst des Herzens zu zerstreuen! Und er spricht zu Menschen, denen Ängste und Sorgen wahrlich nicht fremd waren, ist doch dieses Lied nur wenige Jahre nach dem 30-jährigen Krieg erschienen und wahrscheinlich sogar während des Krieges entstanden. Es gibt nichts, so tröstet er die Gemeinde, was Jesus von euch abbringen könnte, weder „eurer Sünden Schuld“ noch lautstarke und heimtückische Feinde.
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“ Die Antwort darauf gibt Paul Gerhardt schon in der 2. Strophe: „Dein Zion streut dir Palmen und grüne Zweige hin, und ich will dir in Psalmen ermuntern meinen Sinn. Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preise und deinem Namen dienen, so gut es kann und weiß.“ Paul Gerhardt erinnert in dieser Strophe an das Evangelium des ersten Adventssonntages (Mt. 21,1-9). Wie damals das Volk mit „Palmen“, so zeige ich jetzt mit „Psalmen“, also mit Liedern und Hymnen, dass mein Herz Jesus „grün“ ist und ich für ihn leben will. Die Liebesbeziehung zu ihm, d. h. den Glauben, kann ich, so sagt uns das Lied, nicht nur im seelischen Innenraum leben. Sie will sinnlich ausgedrückt, sie will in Gesten und Gebärden leibhaftig werden. Das ist das eigentliche Motiv geistlichen Singens: Dass ich Christus diene, mich liebend ihm hingebe im Gesang und auf dieses Weise „sein Zion“ werde, das sich mit zärtlichen Trieben bereitet, den Schönsten, den Liebsten bald bei mir zu sehn.
So verlockt uns das Lied dazu, ein Liebhaber Jesu zu werden und uns mit seiner Liebe zu trösten.
Also ist das Singen im Advent die rechte Weise, ihn zu empfangen und ihm zu begegnen. So ist dieses Lied gemeint. Darum widmete Johann Crüger, der Berliner Kantor und Freund Paul Gerhardts, das erste Gesangbuch, das er 11640 herausgab, ausdrücklich „Jesu Christo, meinem und aller gläubigen Seelen ... herzlich geliebten Bräutigam, wie auch der auserwählten, mit ihm in Ewigkeit verlobten und ... vertrauten liebsten Braut, der christlichen Kirchen ...“.
Vielleicht ist das die schönste Tröstung des Advents: Für Jesus singen, einzig darum, weil er nichts lieber hört als die Stimme seiner Freundin. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, nichts, das mehr das Herz bewegt, als dem Menschen zuzusingen, der mich liebt, und seine Liebe im Gesang zu erwidern. Amen.
Und nun lassen Sie uns – nach der Melodie, die in unsrem Gesangbuch steht, aus dem Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“, die Strophen 1-3+5 singen. Diese Melodie, die Johann Crüger komponiert hat, weiß den Trost unseres Adventsliedes mit ihrem warmen Freudenton zum Klingen zu bringen. Zweimal steigt sie vom Grundton bis zur Quinte hinauf und kehrt wieder zu ihm zurück. Doch nach der Wiederholung schwingt sie sich bei dem Ruf „O Jesu“ in zwei Sprüngen bis zur Oktave des Anfangstons auf.
Gebet
Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir? Wie kannst du mir in meinem Leben begegnen, Herr Jesus Christus? Wie kannst du zu mir kommen, um mir Heil und Leben zu schenken? Wie kann ich dich bei mir einlassen? Wie schaffe ich es, dass dir meine Herzenstür weit offensteht? Wie kann ich das bei all dem, was mich immer wieder von dir ablenkt und meine Gedanken gefangen nimmt?
Öffne mich, öffne uns alle doch für deine unaussprechliche große Liebe, die dich vom Himmelszelt zu uns getrieben hat. Scheine mit dem Licht deiner Liebe hinein in unsere Dunkelheit, erhelle die Finsternis, die uns umgibt, und mache uns sehend für dein Kommen in unserer Welt.
Ja, du mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist, ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns für und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
Vater unser im Himmel ...
Segen
Möge Gott neu in dir zur Welt kommen.
Möge Gottes Gegenwart dein Leben hell machen.
Möge dir Kraft zuwachsen
selbst mehr und mehr Mensch zu werden.
Katja Süß
Wie soll ich dich empfangen und wie begegne ich dir? Johann Sebastian Bach gibt darauf in einem Choral am Ende des ersten Teils des Weihnachtsoratoriums eine Antwort auf seine Weise:
Ach mein herzliches Jesulein,
Mach dir ein rein sanft Bettelein,
Zu ruhn in meines Herzens Schrein,
Dass ich nimmer vergesse dein!
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium 1. Teil, Schlusschoral (Nr. 9)
Pastor Manfred Trümer, Vor dem Kaiserdom 1, 38154 Königslutter
Adventsandacht am 7.12.2011, 18 Uhr im Kaiserdom
„Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“
Mit dem von Georg Friedrich Händel komponierten Adventslied „Tochter Zion, freue dich“ haben wir eben unsere zweite Adventsandacht begonnen. Mit diesem Adventslied wollen wir uns einstimmen auf das heutige Thema dieser Andacht, auf die Alt-Arie „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“ aus dem ersten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.
Zion – damit ist der Tempelberg in Jerusalem gemeint, der in der Heilsgeschichte Israels eine herausragende Bedeutung hat. Der Zion beherbergte den von Salomo errichteten Tempel – das zentrale Heiligtum des Gottesvolkes Israel. Der Tempel, um 900 vor Salomo erbaut, 587 von den Babyloniern zerstört, nach dem Exil zurzeit Nehemias und Esras wieder aufgebaut und von Herodes erweitert, wurde endgültig 70 n. Christus von den Römern zerstört. Heute steht auf dem Tempelberg nur noch die Klagemauer.
Mit dem Zion verbinden sich für das Volk Israel viele Heilserwartungen. Erwartungen, die mit der Hoffnung auf Befreiung, Erlösung, Frieden und Gerechtigkeit verbunden sind. So wird im Psalm 14 die Hilfe des Herrn mit diesen Worten herbeigefleht: „Ach dass die Hilfe aus Zion über Israel käme und der Herr sein gefangenes Volk erlöste! So würde Jakob fröhlich sein und Israel sich freuen.“
Auch der Prophet Micha nimmt das Bild vom Zion auf und verheißt für das kommende Friedensreich Gottes die Wallfahrt aller Völker zum Zionsberg, von dem die Weisung und das Wort des Herrn ausgehen wird. So verbinden sich mit dem Zion schon sehr bald messianische Erwartungen. Der Messias wird vom Zion kommen und in Jerusalem seinen großen Auftritt haben.
Im Weihnachtsoratorium geht der Arie „Bereite dich, Zion“ nach dem Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ ein Rezitativ voraus, in dem eine Tenorstimme den Anfang der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorträgt: „Es begab sich aber zu der Zeit“. Es folgt als unmittelbare Einleitung zur Alt-Arie das ebenfalls von einer Alt-Stimme gesungene Accompagnato-Rezitativ – instrumental begleitet von Oboe d'amore, Violine und Continuo mit dem folgenden Text:
Nun wird mein liebster Bräutigam,
Nun wird der Held aus Davids Stamm
Zum Trost, zum Heil der Erden
Einmal geboren werden.
Nun wird der Stern aus Jakob scheinen,
Sein Strahl bricht schon hervor.
Auf Zion, und verlasse nun das Weinen,
Dein Wohl steigt hoch empor.
Darauf folgt unmittelbar die Alt-Arie „Bereite dich, Zion“, die im Mittelpunkt unserer Andacht steht. Hier vorweg der Text:
Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben,
Den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!
Deine Wangen
Müssen heut viel schöner prangen,
Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben.
Musikeinspielung:
Die beiden Rezitative und die Alt-Arie aus dem Weihnachtsoratorium
Den Text dieser Arie hat Johann Sebastian Bach selbst verfasst. Er spiegelt eine Frömmigkeit wider, die in einer innigen Beziehung zu Jesus steht, die einem Liebesverhältnis gleichkommt. Eine Frömmigkeit, wie wir sie im Pietismus Speners und später Zinzendorfs und der Herrenhuter Brüdergemeinde finden. So wird der erwartete Messias mit der Metapher des Bräutigams beschrieben. Bach nimmt zunächst das Bild vom Zion auf. „Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben“.
Zion – der Tempelberg in Jerusalem. Ort des Heiligtums Jahwes, Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch, Schnittpunkt zwischen Himmel und Erde. Dort wird der erscheinen, auf den die Menschen sehnlichst warten: der Erlöser und Befreier, der König, der Messias, den die Propheten verheißen haben. Matthäus nimmt diese Verheißung im Evangelium des 1. Advents auf mit den Worten: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“
Als „Der Held aus Davids Stamm“ wird der Erwartete im Rezitativ beschrieben. Der Messias – davon gehen die Propheten aus – wird ein Nachfahre des großen und frommen Königs David sein. Darum richten sich die Hoffnungen auch auf die kleine, unbedeutende, südlich von Jerusalem gelegene Stadt Bethlehem. Hier wird der Erlöser zur Welt kommen. Die Weihnachtsgeschichte des Lukas berichtet von der Erfüllung dieser Verheißung. Bach verbindet hier also zwei Traditionen miteinander – die Zions- und die David-Tradition. Jerusalem mit dem Berg Zion und Bethlehem als Ort der Geburt des Messias – beides wird hier zusammengeführt.
In einer modernen Menschen eher schwülstig anmutenden Metaphorik wird Zion aufgerufen, sich auf das Kommen des Messias einzustellen. Wie eine Braut sollen Stadt und Tempelberg den Messias empfangen. Mit zärtlichen Trieben soll Zion sich darauf vorbereiten, den Schönsten, den Liebsten bald bei sich zu sehn.
Jesus als Bräutigam. Eine Metapher, die wir auch aus den Evangelien kennen. Da mag uns das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen einfallen, die dem Bräutigam in der Nacht entgegengehen und von denen nur fünf die Hochzeit mitfeiern, während die anderen fünf draußen bleiben müssen.
In den Evangelien nimmt Jesus dieses Bild auf und wendet es auf sich an. So rechtfertigt er das Fastenbrechen seiner Jünger mit den Worten: „Wie können die Hochzeitsgäste Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“ (Mt. 9,15). Also: Wo Er ist, da ist kein Platz für Trauer und Trübsal, für Kummer und Leid. Wo Er ist, da herrscht eitel Freude, eben Hochzeitsstimmung. Wo Er ist, da feiern Menschen ein rauschendes Fest. Da geht der Wein nicht aus – da hört das Fest nicht auf.
Jesus als Bräutigam, als Liebhaber, als der Schönste und Liebste. Inniger und intimer kann man den Glauben an ihn eigentlich gar nicht charakterisieren. Der Text der Arie liest sich wie ein Liebesgedicht. Wie eine Braut mit klopfendem Herzen darauf wartet, heimgeführt zu werden, so wartet der Zion auf den Messias und Erlöser. Bach hatte hier bestimmt auch Bilder aus der Johannes-Offenbarung vor Augen. So heißt es in Offenbarung 19: „Lass uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich bereitet.“ (Offenbarung 19,7). Und im selben Buch der Bibel vergleicht Johannes die heilige Stadt, das neue Jerusalem, mit einer Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
Zion – die Braut, Jesus der Bräutigam, ein dem Bibel- und Gesangbuchkundigen vertrauter Vergleich. Denken wir an das Gesangbuchlied „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Dort heißt es am Ende der ersten Strophe: „Macht euch bereit zu der Hochzeit, ihr müsset ihm entgegengehen.“ (EG 147,1)
Die Sprache, der Bach sich hier bedient, klingt in unseren Ohren süßlich, viele würden vielleicht sogar kitschig. Aber es ist die Sprache des Barock, der die Ausschmückung bis zur Überladung und Übertreibung hin pflegte. So wie uns barocke Kirchen mit ihrem Schmuck und ihren vielen Verzierungen manchmal erdrücken, so ergeht es uns vielleicht auch, wenn wir mit diesem barocken Minne-Lied konfrontiert werden. „Deine Wangen müssen heut viel schöner prangen. Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben.“ Fremde Laute in unserer von Anglizismen durchsetzten Sprachwelt im Zeitalter der Computer- und Internet-Generation. Vielleicht aber auch ein wohltuender Kontrast und der alten Geschichte, die uns das Weihnachtsoratorium bibelgetreu erzählt, angemessener als die Sprache des 21. Jahrhunderts.
Und bringt nicht auch die Geburt dieses Kindes Saiten in uns zum Klingen, die sonst im nüchternen Alltag der nackten Realitäten verstummen müssen? Warum die Beziehung zu dem, der uns zum Trost, zum Heil der Erden erschienen ist, nicht in der Sprache der Liebenden zum Ausdruck bringen?
Die erste Arie des Weihnachtsoratoriums bezaubert uns mit einer fast betörend klingenden Melodie und öffnet unsere Herzen für das, was im weiteren Verlauf geschieht und was der Evangelist im Rezitativ angekündigt hat. Eigentlich sind wir mit dieser Arie noch im Advent – auch wenn im weiteren Verlauf des Oratoriums Weihnachten unmittelbar bevorsteht. Aber das ist ja doch das Thema des Advents: Sich einzustellen auf den, der da kommt. Sich angemessen vorzubereiten. Voller Erwartung und mit großer Vorfreude! Welcher Vergleich kann da treffender sein als der von der Braut, die auf ihren Geliebten wartet?
Das ist das Thema des Advents, das im Wochenspruch zum 3. Sonntag im Advent anklingt: Bereitet dem Herrn den Weg.
Wie bereiten wir uns vor auf den, der da kommen soll? Ist uns das, was da kommt, eine Herzensangelegenheit? Erwarten wir sein Kommen genauso sehnlichst wie die Braut den Bräutigam, das junge Mädchen den Geliebten? Stehen unsere Herzenstüren offen, sodass Er bei uns einziehen kann?
In einem auch zur Zeit Bachs – 1642 – entstandenen Choral aus unserem Gesangbuch heißt es:
Ach mache du mich Armen zu dieser heiligen Zeit
aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit.
Zieh in mein Herz hinein, vom Stall und von der
Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit
dankbar sein.
In unsere Armut ist er hineinkommen mit dem Reichtum seiner Liebe. Denn arm sind wir – arm an Glaube, Hoffnung und Liebe. Arm am Herzlichkeit und Sensibilität, arm an Emotionen, die wir hinter unserer nüchternen Sprache verstecken.
Er aber hat sich unserer Armut nicht geschämt. Er hat die Herrlichkeit des Himmels verlassen und mit unserer Armseligkeit vertauscht. In der Krippe eines armseligen Stalles lässt Er uns in sein Herz voller Liebe schauen – der Gott, den Luther einmal einen „glühenden Backofen voller Liebe“ genannt hat. Liebe ist auf Liebe aus. Sollten wir uns da zieren und seiner Liebe nicht die Reverenz erweisen? Warum sollten wir ihn nicht willkommen heißen und erwarten wie die Braut ihren Bräutigam, das junge Mädchen den Geliebten? Warum uns nicht mit zärtlichen Trieben darauf vorbereiten, den Schönsten und Liebsten bald bei uns zu sehn?
Gebet – Vaterunser – Segen
Zum Schluss unserer Andacht hören wir den Schlusschoral aus dem vierten, für den Neujahrstag bestimmten Teil des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach.
Hier der Text:
Jesu richte mein Beginnen,
Jesu bleibe stets bei mir,
Jesus zäume mir die Sinnen,
Jesus sei nur mein Begier,
Jesus sei mir in Gedanken,
Jesus lasse mich nicht wanken.
Musikeinspielung:
Weihnachtsoratorium Teil IV, Nr. 42
Schlusschoral „Jesu richte mein Beginnen“
Pastor Manfred Trümer, Vor dem Kaiserdom 1, 38154 Königslutter
Adventsandacht am 30.11.2011, 18 Uhr im Kaiserdom
„Jauchzet, frohlocket, auf, preiset den Namen“
Einführung in das Weihnachtsoratorium
In den vier vor uns liegenden Adventsandachten werden wir Kompositionen aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium hören, das wohl populärste Werk des Thomas-Kantors. Es ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (Sopran, Alt, Tenor und Bass), gemischten Chor und Orchester. Eigentlich gehört es noch gar nicht in die Adventszeit, denn Bach hat sein sechsteiliges Werk für die Weihnachtszeit geschrieben. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschöre und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden.
Die von Bach verwendeten biblischen Texte stammen von den Evangelisten Lukas und Matthäus. Sie umfassen die Geburtsgeschichte, die Beschneidung und Namensgebung und die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland.
Von den 15 Choraltexten gehen fünf auf Paul Gerhardt, drei auf Martin Luther, drei auf Johann Rist und vier weitere auf verschiedene Textdichter zurück.
Wie in den anderen Oratorien und Kantaten Bachs kommt auch im Weihnachts-Oratorium dem Text die Funktion der Erzählung, Deutung und Aneignung zu. Häufig verknüpfen Stichwortverbindungen den erzählenden Bibeltext mit dem erklärenden Accompagnato und der auf persönliche Verinnerlichung zielenden Arie. Hinzu tritt als viertes Element der abschließende Choral als zusammenfassende Bestätigung. Dabei erweist sich Bach als Ausleger der Bibel, dessen Komposition eine reflektierte theologische Deutung widerspiegelt und als „klingende Predigt“ angelegt ist. Die manchmal etwas schwer verständliche, bildreiche Sprache der neu gedichteten Arien verdankt sich möglicherweise Einflüssen des Pietismus, einer im 17. Jahrhundert durch Philipp Jakob Spener entstandenen protestantischen Frömmigkeitsrichtung, welche die persönliche Glaubensbeziehung des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt – im Kontrast zur „verkopften“ intellektuellen lutherischen Dogmatik. Allerdings ist die frömmigkeitsgeschichtliche Verortung Bachs umstritten.
Das Weihnachtsoratorium wurde zu Bachs Lebzeiten nur ein einziges Mal aufgeführt. Erst 1857 brachte die Singe-Academie zu Berlin das Werk wieder auf die Bühne. So konnte es schließlich seinen Siegeszug antreten.
In unseren vier Andachten werden wir uns nur mit dem wohl bekanntesten, dem ersten Teil des Weihnachtsoratoriums beschäftigen. Johann Sebastian Bach hat es für den Gottesdienst am ersten Weihnachtstag komponiert.
Der erste Teil hat als musikalische Besetzung: Soli, Chor, 3 Trompeten, Pauken, 2 Traversflöten, 2 Oboen, Streicher und Basso continuo.
Bach eröffnet diesen Teil und damit das Oratorium wie die meisten seiner Kantaten mit einem groß angelegten Eingangschor, hier mit Pauken und Trompeten. Die Weihnachtsgeschichte – in den Rezitativen durch den Evangelisten, gesungen von einer Tenor-Stimme, dargeboten – beginnt damit, dass Maria und Joseph durch ein Gebot des Kaisers Augustus gezwungen waren, ihre Heimat Galiläa zu verlassen und sich in Josephs Geburtsort Bethlehem zählen zu lassen. Nach dem durch einen Alt vorgetragenen Accompagnato-Rezitativ „Nun wird mein liebster Bräutigam“ spiegelt die folgende Alt-Arie „Bereite dich, Zion“ die innere adventliche Sehnsucht wider. Der Paul-Gerhardt-Choral „Wie soll ich dich empfangen“ antwortet darauf, dann folgt das Rezitativ „Und sie gebar ihren ersten Sohn“, dann der von Sopran-Stimmen gesungene Choral „Er ist auf Erden kommen arm“ und die Arie „Großer Herr, o starker König“. Mit dem Choral „Ach mein herzliebes Jesulein“ schließt der erste Teil.
Wir hören zunächst einmal nur den Eingangschor, das bekannte „Jauchzet, frohlocket“. Hier zunächst der Text:
Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage,
Rühmet, was heute der Höchste getan!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören,
Lasst uns den Namen des Herrschers verehren.
Musikeinspielung:
„Jauchzet, frohlocket...“
(Gächinger Kantorei und das Bach-Collegium Stuttgart unter Leitung von Helmuth Rilling)
Gedanken zum Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“
Bach hat die Musik für sein Weihnachtsoratorium nur zum Teil neu komponiert. Viele Chöre und Arien entnahm er zuvor entstandenen weltlichen Kompositionen, so zwei Huldigungskantaten für das sächsische Herrscherhaus, die schon 1733 entstanden sind. Bach übernimmt die Musik, arbeitet sie leicht um und unterlegt sie mit einem neuen Text. So wird aus „Tönet ihr Pauken, erschallet Trompeten“ (BWV 214) „Jauchzet, frohlocket“, der imposante Eingangschor des Oratorims, bei dem noch immer zuerst die Pauken und dann die Trompeten einsetzen. Parodie nennt man dieses Verfahren, und es entsprach der gängigen Praxis des Barockzeitalters. Aus der Huldigung eines sächsischen Herrschers anlässlich seiner Inthronisation wird der Aufruf zum Lobpreis des himmlischen Herrschers.
Mit dem „Jauchzet, frohlocket“ spricht das Oratorium sofort die Gemeinde unmittelbar an, die gleich in das aktuelle Geschehen mit einbezogen wird. Das Weihnachtsoratorium hat immer die glaubende Gemeinde vor Augen – nicht den Musik konsumierenden Hörer. Es will unseren Glauben neu wecken und stärken, indem es die alte Botschaft von der Geburt Jesu verkündigt und uns, die christliche Gemeinde, inspiriert, innerlich in den Lobpreis des himmlischen Herrschers mit einzustimmen.
Und möchte man nicht am liebsten einstimmen in den vom Chor gesungenen Jubelruf: Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage?
Ja, mit einem Jubelruf, mit Pauken und Trompeten wird die Geschichte von der Geburt des Gottes-Sohnes eingeläutet. Hier sind wir schon mitten im Weihnachtsfest – ist diese Kantate doch für den ersten Weihnachtstag geschrieben - und nicht für die Adventszeit bestimmt, die doch nach altkirchlicher Tradition eine stille, besinnliche Zeit der Buße, der Umkehr sein soll, was sie allerdings heute im Zeichen von Konsumrausch, Weihnachtsmärkten und Glühwein-Feten längst nicht mehr ist.
Aber hier ist großer Jubel und unermessliche Freude angesagt. Die leiseren Töne, die auf Erwartung eingestimmt sind, erklingen erst in den auf den Chor folgenden Stücken.
Jauchzet, frohlocket – hier hat man schon den Gesang der Engel in der Heiligen Nacht im Ohr, ihr „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen.“
Ja, was Weihnachen geschieht – zunächst so ganz in der Stille, ganz in Verborgenen, bescheiden und einfach in der Krippe eines armseligen Stalles – das ist etwas Großartiges, etwas Einmaliges und Wunderbares. Da muss man einfach jauchzen und frohlocken. Ja, da kann man wirklich von Herzen fröhlich sein und der Aufforderung Apostels Paulus folgen, der in der Epistel zum 4. Advent den Christen in der Gemeinde in Philippi zuruft: „Freuet euch im Herrn allewege. Und abermals sage ich euch: Freuet euch, der Herr ist nahe.“
Auf, preiset die Tage! Gemeint sind natürlich die Tage, die vor uns liegen, liebe Gemeinde. Das schöne Weihnachtsfest mit seinen alten, vertrauten Bräuchen, den endlich einmal wieder gefüllten Kirchen bei den zahlreichen Christvespern und Christmetten. Eine wundervolle Zeit, Tage des Heils, Tage des Friedens, der Einkehr, der Liebe und Geborgenheit. Preiset, die Tage, die Gott uns wieder schenkt in dieser Weihnachtszeit!
Rühmet, was heute der Höchste getan! Was hat er denn getan, dass wir ihn rühmen und preisen sollen? Was ist denn Weihnachten nun eigentlich Besonderes geschehen? Der Evangelist Johannes fasst das Weihnachtsgeschehen in diesem einen Satz zusammen: „So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“
So hat Gott die Welt geliebt. Ja, das ist das größte Geschenk, das wir Weihnachten empfangen dürfen: Gottes Liebe, die in einem kleinen Kind zur Welt kam und immer wieder neu zur Welt kommen darf – in uns, in der Tiefe unseres Herzens und unserer Seele. Denn: Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in uns, wir blieben doch ewiglich verloren. (Angelus Silesius).
Die Antwort auf das, was der Höchste an uns getan hat, kann deshalb nur unser Lobpreis sein: Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage, rühmet, was heute der Höchste getan.
Das Zagen und Klagen dürfen wir getrost in den hintersten Winkel unseres Herzens verbannen. Vergessen, was uns belastet und beschwert – auch wenn manchen das jetzt schwer fallen mag – denen, die um einen lieben Angehörigen trauern, den Kranken und Sterbenden, den Arbeitslosen, denen, die gerade in einer Lebenskrise stecken, den Burnout-Geschädigten, den psychisch Angeschlagenen, den Einsamen und Verlassenen. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, in der alles auf den Ton der Freude gestimmt ist, spüren viele von uns die Traurigkeit und Einsamkeit ganz besonders.
Ach ja, wenn man das könnte, das Zagen lassen, die Klage verbannen. Voll Jauchzen und Fröhlichkeit den Höchsten rühmen für das große Wunder der Heiligen Nacht.
Können wir das? Können Sie das?
Gut, dass es die Musik gibt, die es vermag, uns in eine andere Sphäre versetzen!
Geht es Ihnen auch so wie mir? Wenn ich diesen Jubelchor aus dem Weihnachtsoratorium höre, dann kann ich auf einmal vergessen, was mich belastet und beschwert, allen Selbstzweifel, alle Traurigkeit. Dann wird mein Herz weit und offen, so als ob all die Eisenringe, von denen es sonst umschlossen ist, auf einmal abfielen. Dann fallen mir Verse aus unseren schönen Adventsliedern ein. „Ich lag in schweren Banden, du kommst und machst mich los“, dichtet Paul Gerhardt. Und in demselben Lied heißt es einige Strophen weiter: „Das schreib dir in dein Herze, du hochbetrübtes Heer, bei denen Gram und Schmerze sich häuft je mehr und mehr; seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.“
Oder ich denke an das Gedicht „Weihnacht“ von Rudolf Alexander Schröder:
Nun vergesst der Traurigkeit,
Kommt mit freudigem Verlangen.
Euer Stern ist aufgegangen,
Euer Trost bereit.
Mit Pauken und Trompeten kündigt der Eingangschor des Weihnachtsoratoriums das an, was einmal in aller Stille geschah und doch die Welt bewegt hat. Mit Pauken und Trompeten vertreibt er alle Traurigkeit und schiebt den Nebelschleier beiseite, der unseren Blick trübt, so dass wir sehen können, was da geschehen ist in Bethlehem, so wie der Engel es den Hirten gesagt hat.
Ein Aufruf zur Freude und zum Jubel – so stimmt Bach uns hier auf das nahende Weihnachtsfest ein.
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören, lasst uns den Namen des Herrschers verehren!
Gott dienen, weil er unser aller Diener geworden ist, unser Bruder, der hineingekommen ist in unser menschliches Leben, um uns nahe zu sein.
Dieser Herrscher ist es wert – mehr wert als alle Herren dieser Welt, dass wir seinen Namen verehren, dass wir ihn loben und preisen und ihn rühmen für das, was er an uns getan hat.
So nimmt uns das Weihnachtsoratorium mit seinem Eingangschor hinein in die festliche Stimmung eines wundervollen Festes. Da ist kein Raum mehr für Wegklagen, Traurigkeit, Jammern und Resignation. Da ist nur noch Jubel und Freude und großes Staunen über das Wunder, das da in der Heiligen Nacht im Stall von Bethlehem geschehen ist. Ein Wunder, das sich nur dem Glaubenden erschließt. Ein Wunder, das aus Liebe geschehen ist – aus Liebe zu uns von dem, den wir den Höchsten nennen und der sich doch ganz tief zu uns herabneigt. Ja, lassen Sie uns innerlich einstimmen in die Ouvertüre des Weihnachts-Oratoriums.
Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage,
Rühmet, was heute der Höchste getan!
Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
Stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an!
Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören,
Lasst uns den Namen des Herrschers verehren.
Advent – das ist mehr als nur Lichterglanz, Kerzenschimmer, Weihnachtsmärkte, Lebkuchen und Glühweinzauber. Advent – Zeit der Erwartung. Warten auf etwas ganz Wunderbares und Einzigartiges. Warten auf das Wunder von Weihnachten, das immer wieder neu an uns geschehen kann, wenn wir uns ihm öffnen und unsere Herzenstüren weit aufmachen.
Gebet – Vaterunser – Segen
Musikeinspielung zum Abschluss:
Sinfonie „Hirtenmusik“ aus dem 2. Teil des Weihnachtsoratoriums für den 2. Weihnachtstag
Pastor Manfred Trümer, Vor dem Kaiserdom 1, 38154 Königslutter





